Zurück nach Rockholm – Ayurveda weiterdenken
Wer meinen ersten Beitrag über das Ayurveda Retreat Rockholm in Kovalam gelesen hat, weiss: Ich war begeistert. Nicht nur vom Ort und der Ruhe, sondern von der Art, wie Ayurveda dort vermittelt wird – klar, individuell und konsequent. Diesmal geht es mir weniger um den Ort selbst, sondern um das, was man dort lernt – und wie es nachwirken kann.

Ayurveda verstehen und im Alltag anwenden
Ayurveda in Rockholm beginnt mit einer genauen Bestimmung des momentanen Ungleichgewichts (Vikruthi). Die Anwendungen, die Ernährung, die Tagesstruktur – alles wird darauf abgestimmt. Es geht nicht um ein allgemeines Detox, sondern um gezielte Regulation.
Die ayurvedische Ernährung ist reduziert, aber nie langweilig. Dreimal täglich warm, leicht verdaulich, ohne Zucker, ohne Ablenkung. Es wird nichts übertrieben, aber alles konsequent umgesetzt. Auch pflanzliche Präparate werden je nach Bedarf eingesetzt – vor allem zur Beruhigung des Verdauungstrakts, zur Unterstützung der Leber oder zur hormonellen Stabilisierung.


Yoga: nicht dekorativ, sondern funktional
Der Yoga-Unterricht in Rockholm ist nicht fancy, sondern funktional. Atmung, Stabilität, Fokus. Jeden Morgen, direkt am Meer. Für viele ist die Yoga-Praxis der Einstieg, um wieder in Kontakt mit dem eigenen Rhythmus zu kommen. Es wird meditativ gearbeitet, aber nicht esoterisch. Präzise, ruhig, kontinuierlich.

Interview mit Dr. Sreekala S.
Chefärztin, Rockholm Beach Ayurveda Retreat

1. Wie personalisieren Sie die Behandlungen bei komplexen Beschwerden?
Bei komplexen gesundheitlichen Themen betrachten wir ausschliesslich das Dosha-Ungleichgewicht, also den aktuellen Zustand, das sogenannte Vikruthi. Auf dieser Basis wählen wir individuelle Behandlungen, Kräuter und innere Anwendungen aus.
2. Gibt es häufige Dosha-Ungleichgewichte bei westlichen Gästen?
Nein, da sehen wir keine grundlegend anderen Ungleichgewichte im Vergleich zu indischen Gästen.
3. Welche einfachen, aber wirksamen ayurvedischen Praktiken empfehlen Sie langfristig?
Nach einer Panchakarma-Kur ist es wichtig, einen strukturierten Tagesrhythmus beizubehalten – mit geregeltem Essen, Schlaf und Bewegung.
– Essen Sie frisch, warm und regelmässig
– Meiden Sie kohlensäurehaltige Getränke
– Beginnen Sie den Tag mit warmem Wasser
– Halten Sie eine feste Schlafenszeit ein
– Sanfte Dehnübungen ja, aber intensives Training erst zwei Wochen nach der Kur
4. Welche Mittel helfen am meisten gegen Stress?
Es gibt kein universelles Kraut oder Treatment gegen Stress – jede Person reagiert anders. Die Auswahl richtet sich individuell nach dem Zustand und der Konstitution.
5. Kann Ayurveda bei emotionalem oder vererbtem Trauma helfen?
Ja. Ayurveda behandelt auch die emotionale Ebene. Bei emotionalem Trauma setzen wir gezielt Behandlungen wie Sirodhara oder Thalam ein, die das mentale Gleichgewicht unterstützen. Die genaue Anwendung hängt aber vom individuellen Zustand ab.
Was man nach der Kur beachten kann – Empfehlungen nach Jahreszeit
Dr. Sreekala hat mir zudem ein paar klare Vorschläge mitgegeben, wie man die ayurvedische Lebensweise saisonal anpassen kann. Diese Empfehlungen sind in Indien entstanden, lassen sich aber gut auf unsere Breiten übertragen – mit etwas Feingefühl:
Sommer (Mitte Juni bis Mitte September)
– Körperlich nicht überanstrengen
– Sich möglichst kühl halten
– Keine Aktivitäten in der prallen Sonne
– Leichte, helle Baumwollkleidung in kühlenden Farben (weiss, grau, lila, grün)
– Kopf und Nacken gut vor Hitze schützen
– Sonnenbrille in der Mittagszeit
– Früh schlafen (vor 23 Uhr)
Frühherbst (Varsha Ritu – Mitte September bis Mitte Oktober)
– Nicht nass werden (Vata steigt durch Feuchtigkeit)
– Sesamöl-Massage, besonders an Füssen und Kopf, vor dem Schlafen
– Abends warme Milch mit Kardamom, Ingwer oder Muskatnuss
– Kein Alkohol, keine schweren Speisen
– Vor 22 Uhr ins Bett
Spätherbst (Sharad Ritu – Mitte Oktober bis Anfang Dezember)
– Keine schweren, fettigen Mahlzeiten
– Direkte Sonne und Ostwind meiden
– Nicht tagsüber schlafen
– Lockere, helle Kleidung tragen
Winter (Hemant und Shishir Ritu – Dezember bis März)
– Regelmässige Bewegung
– Tägliche Ölmassagen mit anschliessendem Dampfbad
– In warmer Umgebung bleiben
– Körper gut mit Kleidung schützen
Frühling (Vasantha Ritu – Ende März bis Mitte Juni)
– Tägliche Bewegung
– Kein Mittagsschlaf
– Tägliches Duschen mit natürlichen Düften (z. B. Sandelholz)
– Ölmassage ist Pflicht
– Viel draussen sein, Natur geniessen
– Gartenarbeit, Strandspaziergänge, Vögel beobachten
– Achtung: Diese Jahreszeit bringt Kapha-Ungleichgewichte (Heuschnupfen, Bronchitis, Sinusitis) – Klimaanlagen besser meiden.
Wenn man Ayurveda ernst nimmt, geht es nicht nur um Kuren – sondern um einen Lebensstil, der sich an den Jahreszeiten und dem eigenen Zustand orientiert. Ich nehme viel davon mit nach Hause. Nicht alles ist umsetzbar. Aber vieles ist möglich.



