Zwischen rotem Teppich und Popcorn – Mein ganz persönlicher ZFF-Recap
Es gibt diese Momente, in denen man merkt: Zwanzig Jahre sind eigentlich eine verdammt lange Zeit – es sei denn, es handelt sich um das Zürich Film Festival. Dann fühlt es sich eher an wie zwanzig rauschende Nächte, voll mit roten Teppichen, Apérohäppchen, Filmpremieren und der Frage: „Wen sehen wir heute?“.
Letztes Jahr feierte das ZFF sein 20-jähriges Jubiläum – und ich war natürlich mittendrin. Also… so halb. Denn, kleiner Fun Fact: Meine Akkreditierung wurde abgelehnt. Ja, richtig gelesen. Offiziell war ich kein Teil der auserwählten Presse-Crew. Aber wie heisst es so schön? Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – der war etwas steiniger. Da die Agenturen, Sponsoren und Festivalleitung geändert hat, wollte ich lieber akkreditiert sein, als keine Einladung zu erhalten. Aber dieses Plan ging nicht auf, also Einladung her. Mein Motto war in diesem Fall: Wo ein Glas Champagner ist, ist auch ein Eintrittsband, in diesem Fall als das Charmanteste Plus1.
Das Opening – Jude Law live und in Farbe
Mein Festivalauftakt begann glamourös: Opening Night. Der grüne Teppich (ja, hier läuft man nicht auf Rot, sondern auf Grün) war noch warm vom Blitzlichtgewitter, als Jude Law höchstpersönlich über ihn schritt. Elegant, charmant, mit diesem leicht ironischen Blick, der sagt: „Ja, ich weiss, dass ich Jude Law bin.“


Der Eröffnungsfilm war nicht nur visuell stark, sondern hatte auch diese Mischung aus Kino-Magie und gesellschaftlichem Tiefgang, die das ZFF so oft auf die Leinwand bringt. Ich sass da, liess mich von der Geschichte packen – und hatte nebenbei das befriedigende Gefühl, dass ich mit Akkreditierung beim Eröffnungsfilm nicht hätte dabei sein können.
Tag zwei – Kino, Kulinarik und ein bisschen Schicksal
Einige Tage später kam Einladung Nummer zwei – diesmal vom Bijou-Catering On Ground. Ein Abend mit perfekter Mischung: erst ein Film, dann feine Häppchen. Die Art von Abend, bei dem man merkt, dass Filmfestivals nicht nur aus Filmen bestehen, sondern auch aus Begegnungen, Gesprächen und der Jagd nach dem besten Snack am Buffet.
Der Film? Der Titel ist mir ehrlich gesagt entfallen (mein Kopf war vermutlich mehr beim Lachs-Tatar als bei der Dramaturgie), aber ich erinnere mich an die Atmosphäre. Dieses konzentrierte Schweigen im Saal, wenn alle im gleichen Moment den Atem anhalten. Dieses Kollektiv-Gefühl, das nur Kino schafft.
ZFF-Feeling in drei Worten: Menschen, Magie, Möglichkeiten
Das Zürich Film Festival hat sich in zwei Jahrzehnten vom ambitionierten Newcomer zum internationalen Treffpunkt gemausert. Man trifft hier alles: Hollywood-Stars, Schweizer Regietalente, Branchen-Insider – und Menschen wie mich, die einfach lieben, Teil dieser Energie zu sein.

Tagsüber flaniert man am Seebecken vorbei, abends stehen die Festivalzelte im Fokus. Hier ein Glas Champagner, dort ein Fachgespräch über Kameraeinstellungen, das unweigerlich in Gossip über den neuesten Festivalflirt abdriftet.
Warum ich dieses Jahr akkreditiert sein muss
Letztes Jahr habe ich es charmant gelöst – dieses Jahr möchte ich es offiziell machen. Pressebadge, Zugang zu Screenings, Hintergrundgespräche, das volle Programm. Nicht nur, weil es praktisch ist (keine kreativen Eintrittsband-Missionen mehr), sondern weil ich wirklich glaube, dass Festivals wie das ZFF Geschichten verdienen, die nicht nur das Offizielle erzählen, sondern auch das Ungefilterte.
Ich will nicht nur schreiben, wer da war, sondern wie es war. Wie sich der erste Applaus nach einer Premiere anfühlt. Wie es ist, wenn die Schauspielerin nach dem Q&A barfuss aus dem Saal läuft, weil ihre High Heels zu sehr drücken. Wie der Geruch von frisch geröstetem Popcorn sich mit Chanel No.5 mischt.
Mein ZFF in der Zukunft
Ich sehe mich schon: Kaffeebecher in der Hand, Notizbuch unter dem Arm, auf dem Sprung von einem Screening zum nächsten. Vielleicht ein kurzer Schwatz mit einem Regisseur aus Argentinien, dann ab ins Gespräch mit einer Produzentin aus Berlin. Abends ins Festivalzelt, wo die Geschichten noch lange nicht zu Ende sind.
Bis dahin bleibt mir die Erinnerung an 2024 – ein Jahr, in dem ich trotz „offizieller Absage“ genau die richtige Portion Festival erlebt habe. Mit grünen Teppichen, grossen Namen, kleinen Zufällen und dem festen Vorsatz: Nächstes Mal bin ich akkreditiert. Ganz offiziell. Versprochen.



