Albanien – zwischen Vergangenheit, Aufbruch und unendlicher Gastfreundschaft
Albanien stand schon lange auf meiner Reiseliste. Dieses Land, das jahrzehntelang hinter einer unsichtbaren Mauer lebte, abgeschottet durch Diktatur und Kommunismus, beginnt gerade, sich der Welt zu öffnen. In den letzten Jahren hört man immer öfter davon – von wilden Küsten, UNESCO-Welterbe-Städten, atemberaubender Berglandschaft. Zeit, es selbst zu erleben.
Unsere Reise führte uns mit Check Albania – genauer gesagt mit Alfred Abazi, dem Co-Founder dieser Firma, an die geschichtsträchtigen Orte. Alfred hat in Albanien Deutsch studiert, spricht es perfekt und ist ein ausgebildeter Guide. Er führt Gruppen von bis zu 20 Personen, oft auf Kulturreisen, aber auch kleine, private Touren. Neben Albanien kennt er auch die Nachbarländer wie Montenegro, Nordmazedonien oder den Kosovo wie seine Westentasche.

Tirana, die Hauptstadt
Tirana war unser Startpunkt – quirlig, bunt, voller Gegensätze. Auf dem Hauptplatz weht Geschichte: Relikte der Illyrer, osmanische Spuren, die Pyramide des ehemaligen Diktators, ein Stück Berliner Mauer. Trotzdem fehlt es an Arbeitskräften, viele Menschen ziehen ins Ausland oder in die Hauptstadt. In den Dörfern hingegen stehen Häuser leer, Berufe, wie der des Hirten, verschwinden.



Berat – die Stadt der 1000 Fenster
Von Tirana aus fuhren wir nach Berat – eine Stadt wie aus einem Bilderbuch. Die weissen Häuser mit ihren unzähligen Fenstern klettern den Hang hinauf, gekrönt von einer imposanten Burg. Innerhalb der Burgmauern verstecken sich Kirchen mit jahrhundertealten Fresken und ein kleines Ikonenmuseum, das den Reichtum orthodoxer Kunst zeigt. Kein Wunder, dass Berat als UNESCO-Weltkulturerbe geschützt ist.



Vlora, Stadt zwischen zwei Meeren
Weiter ging es nach Vlora, der Stadt, in der sich zwei Meere treffen – das Ionische und das Adriatische. Hier spürt man sofort das mediterrane Flair: Fischerboote, lange Strände und der Duft von frisch gegrilltem Fisch in den kleinen Tavernen. Der Blick auf die Küste ist atemberaubend, und man versteht sofort, warum die Region auch bei Einheimischen so beliebt ist.


Saranda und Ksamil
Von hier aus führte uns die Reise weiter in den tiefen Süden – nach Saranda, einem der bekanntesten Badeorte Albaniens. Die Promenade lädt zum Flanieren ein, und von hier aus ist es nur ein Katzensprung ins kleine Paradies Ksamil, berühmt für seine weissen Sandstrände und das türkisfarbene Wasser. Zwischen kleinen Inseln kann man schwimmen, Kajak fahren oder einfach nur den Blick aufs Meer geniessen. Ein Abstecher führte uns auch zum Blue Eye – einer karstigen Quelle, deren tiefblaues Wasser so klar ist, dass man am liebsten hineinspringen möchte. Das eiskalte Wasser und die mystische Tiefe machen diesen Ort zu einem der faszinierendsten Naturwunder des Landes.


Butrint für Geschichtsliebhaber
Butrint dagegen ist pure Geschichtsschichtung: Ruinen aus der Zeit der Griechen, der Römer, der Illyrer – alles an einem Ort. Alfred erklärte uns, dass römische Standstatuen meistens vollständig dreidimensional gearbeitet sind, weil sie frei aufgestellt wurden – kein flacher Rücken. Dafür waren viele mit austauschbaren Köpfen gefertigt, sodass bei Machtwechsel einfach nur der Kopf ausgetauscht werden musste. In Butrint sieht man auch griechische Originale, römische Kopien und faszinierende Mischformen – vom Theater bis byzantinischen Spuren spannt sich hier ein weiter Zeitbogen. Vom Amphitheater bis zu den Überresten byzantinischer Kirchen spürt man hier den Lauf der Jahrhunderte.



Gjirokastra – Stadt aus Stein
Auch Gjirokastra beeindruckte – eine ganze Stadt aus Stein, vom Dach bis zu den Strassen. Die mächtige Burg thront über den Häusern, und der polyphone Gesang, den wir hörten, gehört mittlerweile zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe. Natürlich mussten wir auch das Dessert Oshaf probieren – eine Mischung aus Schafsmilch und Feigen, die so simpel wie köstlich ist.

Am Ende blieb das Gefühl, dass Albanien nicht nur ein Reiseziel ist, sondern ein Land im Wandel – stolz auf seine Kultur, reich an Schönheit, aber auch im Ringen um seine Zukunft. Vielleicht ist genau das der besondere Zauber: ein Land zu erleben, bevor es vollständig vom Tourismus erobert wird.



